„Es war Anfang der 2000er. ARGO war noch jung, ich voller Energie – und plötzlich durfte ich meinen ersten Workshop in Asien halten. Shanghai. 30 Führungskräfte aus ganz Asien, Australien inklusive. Der erste ARGOnaut in Fernost. Ich war vorbereitet.
7 Uhr früh Landung in Shanghai. Ich gehe Richtung Immigration, sehe Schilder mit „Visa“… und denke: „Interessant.“ Zwei Minuten später wusste ich: Dieses Wort betrifft auch mich.
Ich hatte keines.
Weder hatte mein Office erwähnt, dass man für China ein Visum braucht, noch hatte ich selbst daran gedacht.
Was dann folgte, hatte filmische Qualität. Zwei Herren mit Kalaschnikow begleiteten mich höflich, aber bestimmt zu einem Schalter. Ich unterschrieb irgendetwas, von dem ich bis heute hoffe, dass es keine Eigentumsübertragung war. Mein Pass verschwand. Ich wurde in einen Raum geführt. Bewacht.
Da saß ich nun. Erster ARGO Workshop in Asien.
Dann kam eine Dame von Austrian Airlines. „Herr Thoma, wir nehmen Sie jetzt mit dem Rückflug wieder nach Wien.“
Meine Antwort: „Das geht nicht. Morgen sitzen hier 30 Führungskräfte. Ich fliege sicher nicht nach Hause.“
Dann ihre Idee: Flug nach Hongkong. Dort Schnellvisum beantragen. Rückflug. Gesagt, getan.
Unter Begleitung – inklusive streng blickender Offizierin – wurde ich durch sämtliche Schleusen geführt. Ticket gekauft. Eskorte zurück in den Raum. Warten. Unter Bewachung ins Flugzeug. Passübergabe wie ein Staatsakt.
Hongkong. Ich fragte beim Aussteigen sicherheitshalber, ob ich diesmal wirklich rausgehen darf. Man nickte. Red Star Agency. Antrag. „18 Uhr fertig.“ Mein Rückflug nach Shanghai ging um 20 Uhr.
In der Zwischenzeit war ich so müde, gestresst und grantig, dass selbst mein natürlicher Optimismus kurz Pause machte. Dusche, vier Stunden Schlaf – und plötzlich fühlte ich mich wieder als Unternehmer statt als Problemfall.
Am Abend landete ich erneut in Shanghai. Der Fahrer meines Kunden nahm mich in Empfang. Am nächsten Morgen stand ich vor 30 Führungskräften und hatte wahrscheinlich die authentischste Einleitung meines Lebens.
Und um Mitternacht saß ich wieder im Flieger nach Wien.
Was ich dort gelernt habe?
Nicht jedes Problem ist dramatisch. Aber jedes Problem prüft deine Haltung.
Unternehmertum heißt nicht, dass nichts schiefgeht.
Unternehmertum heißt: Du steigst trotzdem wieder ins Flugzeug.
30 Jahre ARGO haben viele Modelle hervorgebracht. Clifton, TA, Kulturentwicklung.
Aber in Shanghai habe ich etwas viel Einfacheres gelernt: Wenn du Verantwortung übernimmst, gibt es keinen Rückflug.“
ARGO hat den Anspruch, dass wir leben was wir lehren: Selbstkontrolle, Verantwortung und Problemlösungskompetenz inklusive!