Digitale Ethik - Ein Wertesystem für das 21. Jahrhundert
Sarah Spiekermann
read by Christian Rumpler

„Fortschritt braucht Weisheit und Mut – Maschinen fehlt beides.“

Ich wusste, dass ich mich auf keine leichte Sommerlektüre einlassen würde und ging von einer trockenen Materie aus. Einmal richtig gelegen, einmal falsch!

Von Beginn an hat mich das Buch in seinen Bann gezogen und mich gefordert, innezuhalten und anhand meiner eigenen Erfahrungen zu reflektieren. Also kein Buch, das ich in einem Stück lesen kann, das möchte ich auch nicht empfehlen!

Worum geht es? Die Möglichkeiten, die uns Digitalisierung, KI etc. bieten, müssen menschlichen Wertesystemen standhalten. Wir haben es selbst in der Hand, in einer digitalisierten Welt ein gutes Leben zu führen! Jo eh …

Sarah Spiekermann beschreibt lebendig und sehr persönlich, wie tiefgehend diese Thematik aus individueller und gesellschaftlicher Sicht ist.

Sie wendet sich nicht gegen Digitalisierung oder Künstliche Intelligenz, ganz im Gegenteil! Aber ihr Buch ist ein eindringliches Plädoyer dafür, dass wir Menschen uns intensiv damit beschäftigen sollten, warum und wofür wir die Errungenschaften der digitalen Welt einsetzen. Es geht ihr darum, unser Leben tatsächlich zum Besseren zu entwickeln und „wertvollen“ Fortschritt zu erzielen. Und sie zeigt durchaus nachvollziehbar auf, dass einige aktuellen Entwicklungen eher Rückschritte bedeuten, wenn es um unsere Lebensqualität und gesellschaftliche Tendenzen geht. Hier spricht sie aus meiner Sicht zentrale Fragen an, z.B.: „Verlieren wir die Fähigkeit, uns Wissen anzueignen und Überzeugungen zu entwickeln?“, „Lassen wir es zu, dass Algorithmen entscheiden, welche Informationen für uns wichtig sind?“, „Glauben wir wirklich, dass KI die besseren Menschen sind?“, „Sollen alle Entwicklungen der reinen Gewinnmaximierung dienen?“

Sie lädt ein, den eigenen Wertekompass zu schärfen. Wenn Elemente wie Gemeinschaft, Solidarität, Gesundheit, Wohlbefinden, Zufriedenheit zentral werden, dann wird es uns gelingen, technologische und digitale Entwicklungen auch genau dafür zu nutzen. Das bedeutet allerdings auch, dass nicht alles, was „neu“ automatisch „gut“ ist und wir uns „dem gezielten Weglassen widmen müssen“!

Ich schätze Sarah Spiekermanns Ansätze, weil sie mich fordern, bereichern und vor allem keine simplen „Jo eh“ Lösungen anbieten!

Allen, die zum Thema „künstliche Intelligenz“ in einen philosophischen Diskurs einsteigen wollen – und sei es auch „nur“ in der Selbstreflexion – darf ich „Digitale Ethik“ wärmstens empfehlen!