Radical Candor
Kim Scott
Christa Slowak

Auf „Radical Candor: Be a Kick-Ass Boss Without Losing Your Humanity“ von Kim Scott bin ich im Zuge von Diskussionen rund um, wie gebe ich richtig Feedback gestoßen. Sie beschreibt in ihrem Buch eine Managementphilosophie, bei der Führungskräfte erfolgreich führen können, ohne ihre Menschlichkeit zu verlieren. Das A und O ist, sich persönlich um die Mitarbeitenden zu kümmern, also eine respektvolle Beziehung aufzubauen. Dann ist es auch möglich, gleichzeitig direkt herauszufordern, damit Menschen ihr volles Potenzial entfalten können.

Vieles was sie darin beschreibt entspricht auch der ARGOnautischen Grundhaltung, sich auf Augenhöhe und wertschätzend, unabhängig von Hierarchien, zu begegnen.

Ausgehenden von ihren eigenen Erfahrungen als Managerin sowie beobachteten Verhaltensweisen in teils sehr leistungsorientierten Unternehmen, treten viele Chefs entweder zu nett und konfliktscheu oder zu hart und gefühllos auf. Ihre anschaulichen Beispiele, wie Feedback ablaufen kann, beschreibt sie entlang der Achsen Aufrichtigkeit und Wertschätzung.

Wertschätzung alleine, ohne offen und ehrlich zu sein, bezeichnet sie als schädliche Empathie. Aufrichtigkeit ohne Wertschätzung ist aggressiv und abwertend. Wenn es sowohl an Aufrichtigkeit als auch an Wertschätzung fehlt, dann zeigt dieses Feedback manipulativ unaufrichtiges Eigeninteresse.

Radical Candor – wertschätzende Aufrichtigkeit – beschreibt den „goldenen Mittelweg“: Man muss offen und klar und gleichzeitig empathisch kommunizieren. Ehrliche Rückmeldung sind kein Freibrief für Angriff, sondern ein Zeichen von Wertschätzung, vorausgesetzt, dass man ehrlich an der Person interessiert ist.

Diese vier Quadranten bieten somit eine anschauliche Orientierung welches Feedback man üblicherweise so bekommt und können auch als Aufforderung verstanden werden, das eigene Feedbackverhalten zu reflektieren.

Eine Kultur wertschätzender Aufrichtigkeit entsteht dann, wenn alle im Team verstehen, dass Feedback – positiv oder kritisch – Ausdruck gegenseitigen Vertrauens ist. Die Autorin schlägt unterschiedliche Methoden vor, die es erleichtern, diese Kultur zu etablieren. Führungskräfte können dazu beitragen, indem sie zuallererst selbst Feedback einfordern und annehmen – und nicht nur geben. Durch regelmäßige Einzelgespräche, zuhören, individuelle Unterstützung und klar kommunizierte Erwartungen, lernen Führungskräfte die individuellen Ziele, Motivationen und Lebenssituationen ihrer Mitarbeitenden kennen, und können dann die unterschiedlichen Leistungsträger in Teams gezielt fördern.

Die Haltung der wertschätzenden Aufrichtigkeit ermutigt, Probleme und Konflikte direkt anzusprechen, Missverständnisse und Frustrationen zu bearbeiten und Fehler als Lernchancen zu sehen. Kim Scott richtet sich vornehmlich an Führungskräfte und argumentiert, dass so eine Arbeitsumgebung geschaffen werden kann, in der Menschen sich sicher fühlen, sie selbst zu sein, Verantwortung übernehmen und gemeinsam bessere Ergebnisse erzielen.

Aus meiner Sicht kann diese Haltung jeder einnehmen, Mitarbeitende Führungskräften gegenüber, Kolleg*innen zu anderen Kolleg*innen, Freunde und Familienmitglieder untereinander. Das Buch ist dafür in jedem Fall ein guter Gedankenanstoß aufrichtig wertschätzend miteinander umzugehen.